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Sean Higgins Do, Jan 20, '22 4 min read

As-designed, as-built, as-constructed, as-is - Wofür steht das alles?

In der Vermessungs- und Laserscanning-Branche gibt es viele Wörter, die mit „as“ beginnen. Aber was bedeuten sie eigentlich alle? Sean Higgins klärt auf.

Wenn Sie sich mit der Erfassung von Bestandsdaten beschäftigen, stoßen Sie wahrscheinlich früher oder später auf viele Begriffe, die sich alle sehr zu ähneln scheinen. Keine Sorge, Sie sind nicht allein: Selbst erfahrene Fachleute kommen gelegentlich durcheinander, wenn es um die Wahl des richtigen Wortes geht: as-designed, as-built oder doch as-is?

Auch wenn diese Termini manchmal synonym verwendet werden, ist es dennoch wichtig, die tatsächliche Bedeutung dieser Bezeichnungen zu kennen und die Unterschiede zu verstehen. Das fördert nicht nur eine klare Kommunikation, sondern hilft auch, Missverständnisse und Verwirrung zu vermeiden.

In diesem Glossar werden wir daher die verschiedenen „as“-Begriffe einmal gründlich unter die Lupe nehmen. Dabei werden wir nicht nur auf die klassischen Definitionen eingehen, sondern auch klären, was diese Begriffe im Kontext der BIM-Methodik und somit der Erfassung von 3D-Gebäudedaten mittels Laserscanning bedeuten.

Zuvor jedoch noch ein wichtiger Hinweis: Diese Termini haben auch ganz konkrete rechtliche Bedeutungen, die sich von Land zu Land unterscheiden können. Dieser Artikel ist somit nicht als Rechtsberatung gedacht. Wenn Sie Hilfe bei einem Vertrag benötigen, wenden Sie sich bitte an eine Anwaltskanzlei oder Organisationen wie den Verband Deutscher Architekten (VDA).

As-designed

As-designed (zu Deutsch etwa „wie entworfen“) bezeichnet eine Aufzeichnung des Gebäudeentwurfs und der Spezifikationen vor Baubeginn. In der Regel handelt es sich dabei um die Arbeitsergebnisse von Architekten, eines Designers oder einer Ingenieurin.

Klassisch: 2D-Zeichnungen in CAD

Bei BIM-Projekten: Ein föderiertes BIM-Modell oder ein Modell, das einzelne Entwurfsmodelle und andere Informationen aus jeder Entwurfs- und Konstruktionsdisziplin kombiniert. Manchmal wird auch die Bezeichnung Design Intent Modell verwendet.

As-built

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Mit as-built (zu Deutsch etwa „wie gebaut“) bezeichnet man sämtliche Unterlagen des Gebäudes nach Abschluss der Bauarbeiten, einschließlich aller Änderungen des Arbeitsumfangs, der verwendeten Materialien, der durchgeführten Messungen usw. Diese Aufzeichnungen sollen bestmöglich Aufschluss über die Geometrie und die Lage aller im Rahmen des Vertrags fertiggestellten Bauelemente geben.

Oftmals gibt es erhebliche Abweichung zu den ursprünglichen Entwürfen, die sich aufgrund von Nacharbeiten oder unerwarteten Umständen bzw. Planänderungen während der Bauarbeiten ergeben.

Klassisch: Eine Sammlung von Zeichnungen, häufig auch als Bestandsdokumentation bezeichnet. Diese wird vom Bauunternehmer erstellt, der während des gesamten Projektzeitraums etwaige Änderungen in den ursprünglichen Grundrissplänen mit rot einzeichnet und so kennzeichnet. Man spricht daher auch oft von „Rotstiftzeichnungen“. Es ist auch nicht ungewöhnlich, zusätzliche Messungen durchzuführen, um die Zeichnungen um Raumdaten und Abmaße für bestimme Elemente zu ergänzen.

Anschließend werden diese Zeichnungen entweder dem Generalunternehmer oder dem Architekturbüro übergeben, das dann die endgültigen Bestandspläne anfertigt. Wer konkret diese Zeichnungen anfertigt, hängt von der Art des Projekts und einer Reihe anderer Faktoren ab.

Bei BIM-Projekten: Ein BIM-Modell, das aktualisiert wurde, um alle Abweichungen vom Entwurf während des Bauprozesses zu berücksichtigen. Diese Datensätze werden häufig von Laserscanningdienstleistern erfasst, die eine Vielzahl von Instrumenten und Geräten einsetzen, etwa terrestrische Lidargeräte, mobile Mappingsysteme oder Drohnen.

Mehr zum Thema Bestandsdokumentation erfahren Sie in diesem Artikel.

As-constructed

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Die Bedeutung dieses Terminus hängt vom Kontext ab:

Klassisch: As-constructed Pläne sind 2D-Zeichnungen in CAD, die aus den von den Auftragnehmern zur Verfügung gestellten Bestands- oder Rotstiftzeichnungen zusammengestellt werden. In der Regel ist hierbei nicht das Architekturbüro für die Informationen in diesem Bericht verantwortlich. In diesem Kontext ist „as-constructed“ als Synonym des Begriffs „Bestandsplan“ zu verstehen (siehe oben).

Bei BIM-Projekten: Ein BIM-Modell, welches den Zustand des Gebäudes - und die Abweichungen vom Entwurfsmodell - zu jedem Zeitpunkt der Bauarbeiten widerspiegelt. Im Zuge des Baufortschritts sollte es durch Neuvermessung oder -erfassung des Gebäudes aktualisiert werden. Hierfür kommen häufig 3D-Technologien zum Einsatz. Die As-constructed-Pläne sind notwendig, um das BIM stets auf dem neuesten Stand zu halten und mögliche Konflikte zwischen den Gewerken und anderen Baubeteiligten während des Baufortschritts zu lösen.

As-is

Auch: Ist-Zustand

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Auch wenn as-is und as-built manchmal synonym verwendet werden, meinen sie in manchen Fällen nicht dasselbe.

Ein „as-is“-Plan ist eine Aufzeichnung der Maße und Elemente eines bestehenden Gebäudes zu einem Zeitpunkt nach Abschluss der Bauarbeiten - oft viele Jahre später. Ein solcher Plan kommt insbesondere im Zusammenhang mit Renovierungen oder Anbauten zum Einsatz und kann aus einer Reihe von Gründen erstellt werden:

Möglicherweise fehlen Bestandsdaten für das Gebäude. Und selbst wenn es eine Bestandsdokumention gibt, besteht das Risiko, dass der tatsächliche Zustand des Gebäudes aufgrund nicht erfasster Änderungen erheblich vom Bestandsdatensatz abweicht.

Solche Datensätze kommen oft für kleinere Projekte zum Einsatz, z. B. für den Aufbau von bestehenden MEP-Systemen, so dass sie oft wesentlich mehr Details enthalten als die ursprünglichen Unterlagen.

Klassisch: CAD-Zeichnungen oder Vermessungsunterlagen, die anhand von verschiedenen bereits vorhandenen Zeichnungen und manuellen Messungen erstellt wurden.

Bei BIM-Projekten: Ein 3D-Scan oder eine photogrammetrische Erfassung des Raums mit genauen Messungen.

Fazit

Jetzt, da Sie hoffentlich einen besseren Überblick über die verschiedenen „as“-Begriffe haben, können Sie sich ganz in unser kurzes Glossar der wichtigsten Begriffe zum Thema Scan-to-Bim vertiefen oder mehr darüber erfahren, wie das Aktualisieren einer Bestandsdokumentation mit dem NavVis VLX funktionieren kann.

Sean Higgins ist ein selbstständiger Technikjournalist, ehemaliger Redakteur einer Fachzeitschrift und Naturliebhaber. Er ist der Meinung, dass 3D-Technologien klar und verständlich erklärt und besprochen werden sollten.