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Christian Rust Di, Nov 8, '22 3 min read

Baubegleitende Vermessung am Münchener Flughafen

Für eine genaue Baustellendokumentation wurde die Terminalerweiterung des Münchner Flughafens mit dem NavVis VLX gescannt und ein as-built-Modell erstellt.

Die Übernahme eines Bauprojekts stellt Objektplaner häufig vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Insbesondere Informationsverluste bei der Projektübergabe können die spätere Planung erschweren und zu enormen Verzögerung beim eigentlichen Bau führen. Um diesem Problem zu begegnen, setzt die Planungsgesellschaft ABP (Assmann Beraten + Planen GmbH) u. a. auf mobile Mappingtechnologien und so genannte As-built-Modelle. So auch bei einem seiner aktuellen Projekte: der Erweiterung des Terminal 1 des Münchener Flughafens.

Den Auftrag zur Weiterführung der Objektplanung des 90.000 m2 großen Areals erhielt ABP Ende 2020, in 2021 erfolgte dann auch der Zuschlag zur Fortführung der Planung der technischen Ausrüstung. Um eine reibungslose Fortsetzung der Arbeit für die technische Ausrüstung zu gewährleisten, entschloss sich das ABP-Team, in baubegleitende Maßnahmen in Form eines As-built-Modells zu investieren.

Bereits 2021 wurde dafür ein erster Test-Scan mit dem NavVis VLX durchgeführt. Nachdem man mit dem mobilen Mappingsystem eine erste Ebene der sich in Bau befindlichen Terminalerweiterung gescannt hatte, wurden die erfassten Daten anschließend prozessiert und zu einer finalen Punktwolke in NavVis IVION zusammengeführt. Dabei handelt es sich um eine intuitive 3D-Plattform, die es allen Beteiligten ermöglicht, auf das entstandene 3D-Modell zuzugreifen und mit ihm zu interagieren, etwa in Form von virtuellen Messungen. So ließen sich nicht nur zukünftige Baumaßnahmen effizienter planen, sondern auch kostenintensive Planungsfehler und damit verbundene Störungen auf der Baustelle vermeiden. Aufgrund des enormen Mehrwertes, den ein solches As-built-Modell für die Bauplanung bietet, wurden im Frühjahr 2022 drei weitere Ebenen auf diese Weise dokumentiert und digital verfügbar gemacht.

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Scannen mit dem NavVis VLX auf der Baustelle 

Markus Seitle, Mitarbeiter im Servicebereich Technik, Datenmanagement und Geoinformation, zeigte sich begeistert von der mobilen Mappingtechnologie von NavVis: „Der NavVis VLX, der am Flughafen München bereits seit 2020 im Einsatz ist, hat sich als ideales Tool für eine umfassende Baustellendokumentation herausgestellt“. Besonders geeignet sei das Gerät für die Erfassung großer Flächen, ohne jegliche Störung oder Unterbrechung des Bauablaufs. „Die Genauigkeit ist absolut ausreichend für diesen Zweck und die Punktwolke besticht mit einer sehr hohen Detailwiedergabe“, so Seitle weiter. Nicht zuletzt haben auch die einfache Handhabung und die schnelle und intuitive Prozessierung der Daten Markus Seitle überzeugt. Deshalb solle die mobile Mappingtechnologie von NavVis auch für weitere Scans im Laufe des Projekts zum Einsatz kommen. 

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Vergleich des Scans mit dem BIM-Modell des Terminals

Zuerst noch klassisch aufgesetzt, entwickelte sich das Planungsprojekt unter der Leitung von ABP und dem BIM-Management-Partner Werner Fülöp (CEO von www.4project.com) kontinuierlich weiter in Richtung digitale Planung und digitale Zwillinge. Auch eine Einbindung der Punktwolke in den bereits von ABP genutzten Modellchecker Revizto stellte kein Problem dar. Als besonders nützlich hat sich der digitale Zwilling des Terminals für folgende Anwendungsfälle erwiesen:

  • Überprüfung der tatsächlichen Anzahl, Größe und Position von Öffnungen und Durchbrüchen
  • Prüfung von Rohbautoleranzen
  • Nachvollziehen von bereits verlegten TA-Installationen

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Beispiel einer Abweichung zwischen Planung und Ist-Zustand der Baustelle 

Die aus dem Abgleich des Ist-Zustandes mit dem Planungsmodell der Baustelle gewonnenen Erkenntnisse wurden dann in die Planungsdokumentation bzw. die Planungsmodelle von ABP überführt. Dadurch konnte, so Werner Fülöp von 4project, eine „single source of truth“ geschaffen werden, also eine zuverlässige, zentrale Quelle für sämtliche relevanten Informationen.

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Abgleich Planung mit Ist-Zustand auf der Baustelle 

Aufgrund der guten Erfahrungen, die man mit dem Einsatz mobiler Mappingtechnologien und der damit verbundenen Implementierung digitaler Zwillingsmodelle gemacht hat, soll nun auch die Ebene zwei der Erweiterung des Flughafenterminals gescannt werden und einen digitalen Zwilling erhalten. In der Leistungsphase 8, also bei der Objekt- bzw. Bauüberwachung, wäre es sogar vorstellbar, digitale Zwillinge mit Augmented-Reality-Anwendungen zu verknüpfen und so das Spektrum an Möglichkeiten, das digitale Zwillingstechnologien bieten, weiter auszuschöpfen.