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Sean Higgins Di, Okt 5, '21 5 min read

Wie Sie Ihr Scan-to-BIM Projekt am besten planen und umsetzen

Hier finden Sie einige Tipps und Tricks für die Durchführung von Scan-to-BIM Projekten und erfahren, worauf Sie bei der Auswahl des Gerätes achten sollten.

3D-Laserscanning und BIM-Modellierung sind für Sie und Ihr Unternehmen keine Fremdwörter: Sie verfügen über die nötigen Werkzeuge und die Erfahrung, so dass Sie den nächsten Schritt wagen und Scan-to-BIM-Dienstleistungen anbieten möchten. Aber einen guten Scan-to-BIM-Workflow auf die Beine zu stellen, ist gar nicht mal so einfach und kann sogar recht schnell hohe Kosten verursachen, wenn man keine klare Strategie verfolgt.

In dieser Reihe werden wir alle Phasen eines Scan-to-BIM-Projektes jeweils im Detail betrachten. In unserem letzten Beitrag lag der Fokus auf der Planungsphase und welche wichtigen Details Sie mit Ihrem Kunden abstimmen sollten.

Wenn das einmal erledigt ist, wird es Zeit, mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen: dem Scannen. Worauf Sie bei der Auswahl Ihrer Hardware und dem Scannen vor Ort achten sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Auf den richtigen Laserscanner kommt es an

Um Umgebungen und Gebäude per scan-to-BIM modellieren zu können, benötigen Sie verlässliche Raumdaten, die Sie mit Hilfe eines 3D-Scanners erfassen können. Dabei können Sie zwischen einer Vielzahl verschiedener Scansysteme wählen. Welches Gerät jedoch das richtige für Sie und Ihr Unternehmen ist, hängt von der Art Ihrer Projekte und dem Arbeitsumfang ab.

Für Scan-to-BIM-Workflows kommen in den meisten Fällen mobile Mappingsysteme und/oder terrestrische Laserscanner (TLS) zum Einsatz.

  • Mobile Mappingsysteme eignen sich am besten, um gebaute Strukturen (also Gebäude, Räume, etc.) zu scannen. Sie bieten sich vor allem für Projekte an, die eine hohe Detailgenauigkeit erfordern. Im Vergleich zu terrestrischen Laserscannern kann mit ihnen darüber hinaus bis zu 10-mal schneller gescannt werden. Mit solchen mobilen Systemen lassen sich Daten im Bereich von 2-3 cm erfassen - oder noch besser, je nach Scan-Workflow. Das ist für die meisten BIM-Anwendungen mehr als ausreichend. Einige Scanner verfügen zudem noch über 360°-Kameras, mit denen hochauflösende Panoramabilder aufgenommen werden. Diese sind gerade in Hinblick auf die Navigation der erfassten Scandaten und den Modellierungsprozess sehr nützlich. Darüber hinaus können die HD-Bilder dem Kunden zum Beispiel für Marketingzwecke zur Verfügung gestellt werden.
  • Terrestrische Laserscanner hingegen zeichnen sich durch eine hohe Genauigkeit aus, dafür nimmt das Scannen mit ihnen aber auch deutlich mehr Zeit in Anspruch. Viele erfahrene Scan-to-BIM-Profis nutzen diese für Anwendungen wie den Denkmalschutz und Kulturdenkmäler.

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Hybride Workflows als echte Alternative

Viele waren lange Zeit der Meinung, dass man für einen erfolgreichen Scan-to-BIM-Workflow nur eine Art von Scanner benötigt. Obwohl dies für bestimmte Projekte immer noch zutrifft, setzen immer mehr scan-to-BIM-Profis auf eine Kombination beider Scansysteme.

Denn es lohnt sich durchaus, solche hybriden Workflows für das eigene Projekt in Betracht zu ziehen: Auf diese Weise können Sie sich die Stärken beider Scanner zu Nutze machen, Zeit und Geld sparen und häufig sogar bessere Ergebnisse für Ihren Kunden erzielen.

Mobile Mappingsysteme kommen dabei vorwiegend zum Einsatz, wenn Innenräume erfasst werden sollen, wohingegen terrestrische Laserscanner sich besonders gut für detaillierte Scans von Gebäudefassaden eignen. Soll zusätzlich auch das Dach erfasst werden, ist der Einsatz einer Drohne sinnvoll.

Unsere Kunden machen vor, wie solche hybriden Workflows in der Praxis aussehen können.

Kontrollpunkte und Zielmarken nicht vergessen!

Egal, ob Sie sich für einen hybriden Ansatz entschieden haben oder doch nur einen Laserscanner einsetzen möchten: Denken Sie auch an Maßnahmen für die Georegistrierung! Mit Hilfe von Zielmarken, die sowohl von mobilen Mappern und TLS als auch von Drohne eingelesen werden können, lässt sich später eine Zusammenführung von mehreren Datensätzen realisieren. Wenn Sie ein mobiles Mappingsystem verwenden, ist es darüber hinaus eine gute Idee, Kontrollpunkte zu verwenden, um so die Genauigkeit Ihrer endgültigen Punktwolke zu verbessern.

NavVis-scan-to-BIM-1-3Planen Sie Ihren Scan

Bevor es mit dem Scannen losgeht, sollten Sie und Ihr Team einen Plan erstellen, wie genau vorgegangen werden soll. Dieser Scanplan sollte genauso detailliert sein wie die Leistungsbeschreibung (auch bekannt als Statement of Work, kurz: SOW), die Sie in der ersten Phase des Scan-to-BIM-Prozesses entwickelt haben.

Am besten gehen Sie die Räume und Umgebungen, die gescannt werden sollen, im Vorfeld einmal ab und klären dabei folgende Fragen:

  • Welches Scansystem soll für welchen Abschnitt zum Einsatz kommen?
  • Wer kann und soll die Geräte bedienen?
  • Wie viel Zeit wird der Scan vorraussichtlich in Anspruch nehmen?
  • Lohnt es sich vielleicht, die Arbeit an einen Serviceanbieter auszulagern?
  • Wo lassen sich am besten Zielmarken anbringen (für die spätere Georegistrierung des Scans und Verbesserung der Punktwolkengenauigkeit)?
  • Müssen bestimmte Abschnitte für eine gute Georegistrierung extra erfasst werden?
  • Gibt es bestimmte Bereiche, für die besondere Lösungen gefunden werden müssen (z. B. für die Erfassung von MEP-Systemen oberhalb der Deckenplatten eines Büroraums)?

Anhand dieses Plans können Sie leichter bestimmen, ob für Ihr Projekt ein hybrider Workflow in Frage kommt, oder ob ein Laserscanner ausreicht. Außerdem können Sie so potenzielle Probleme bereits im Vorfeld erkennen und nach Lösungen suchen bevor Sie mit dem eigentlichen Scan beginnen. Dadurch können Sie nicht nur Ihre Prozesse optimieren, sondern auch bessere Ergebnisse für Ihre Kunden erzielen.

Machen Sie sich Notizen

Eine guter Plan ist Gold wert, denn so weiß Ihr Team genau, was zu tun ist und wie der Scan durchgeführt werden soll.

Was aber auch zur Wahrheit gehört: Selten verläuft ein Projekt genau so, wie man es sich vorgestellt und geplant hat. Daher lohnt es sich, Notizen über den tatsächlichen Verlauf des Scans zu machen und alles zu dokumentieren, was vom ursprünglichen Plan abweicht. Diese Informationen können für die Technikerin, die für die Registrierung der Daten zuständig ist, später von unschätzbarem Wert sein.

Nächste Schritte ...

Wenn Sie die Empfehlungen für die Nutzung Ihres Laserscanners in Hinblick auf Ihren konkreten Anwendungsfall beherzigen, werden Sie mit Daten belohnt werden, die direkt verarbeitet werden können. Wie es damit weitergeht, erfahren Sie im nächsten Beitrag. Darin wird es insbesondere um die Auswahl des geeigneten Computers sowie die Nachbearbeitung, Bereinigung, Registrierung und gemeinsame Nutzung der Daten gehen.

Sean Higgins ist ein selbstständiger Technikjournalist, ehemaliger Redakteur einer Fachzeitschrift und Naturliebhaber. Er ist der Meinung, dass 3D-Technologien klar und verständlich erklärt und besprochen werden sollten.