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Sean Higgins Di, Nov 23, '21 4 min read

Alles, was Sie über Bestandsdokumentationen wissen müssen

Was genau ist eigentlich eine Bestandsdokumentation? Wofür braucht man sie? Und warum sollte Sie das interessieren? Sean Higgins klärt auf.

Was genau ist eine Bestandsdokumentation? Eine Bestandsdokumentation (auch bekannt als As-Built-Dokumentation) im engeren Sinne ist eine Zeichnung oder ein 3D-Datensatz, der ein Gebäude so darstellt, wie es tatsächlich gebaut wurde.

Ein Bestandsdatensatz enthält alle Modifikationen, Ergänzungen und sonstigen Änderungen, die während des Bauprozesses vorgenommen wurden. Außerdem sind auch genaue Abmessungen und Ortsangaben aller Gebäudeelemente plus Fassade enthalten, von Bauteilen wie Türen und Fenstern und von Gebäudesystemen wie Rohren, Kanälen und Kabeln.

Wofür braucht man eine Bestandsdokumentation?

Ein Gebäude, so wie es letztlich gebaut wird, entspricht nie exakt dem Entwurfsmodell vom Anfang.

Häufig müssen aufgrund von Budgetänderungen, Termindruck und unliebsamen Überraschungen während der Bauphase neue Entwürfe angefertigt und Nacharbeiten durchgeführt werden. Selbst bei perfekter Planung und dem Einsatz modernster BIM- oder VDC-Technologie ist zu erwarten, dass das real gebaute Gebäude vom ursprünglichen Entwurf abweichen wird.

Wofür nutzt man eine Bestandsdokumentation?

Eine Bestandsdokumentation ist für verschiedenste Interessengruppen relevant, z. B.:

  • Generalunternehmer, die aktuelle Aufzeichnungen benötigen, um nachzuweisen, dass sie die vertraglich vereinbarten Arbeiten gemäß den festgelegten Standards ausgeführt haben
  • Eigentümer und Gebäudemanager, die Zugang zu allen Daten über den Lebenszyklus des Gebäudes hinweg - von der ursprünglichen Planung bis zum aktuellen Zustand - benötigen, um Wartungsarbeiten, Betriebsaufgaben und manchmal auch erweiterte Simulationen durchführen zu können
  • Unternehmen, die in Zukunft an dem Gebäude arbeiten, z. B. Bauunternehmer, die verlässliche Maße und Pläne benötigen, um Renovierungen oder Nachbesserungsarbeiten durchzuführen

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Warum sind sie interessant für Laserscanning-Profis (LSPs)?

LSPs sind in einer idealen Position, um eine Verbesserung der Prozesse voranzutreiben, was die Bestandsdokumentation betrifft. Außerdem ist die Erstellung von Bestandsdokumentationen eine gute Möglichkeit, das eigene Leistungsportfolio zu erweitern - und nicht zu vergessen lukrativ.

Bevor wir weiter darauf eingehen, ist es sinnvoll, uns einmal den Status quo vor Augen zu führen:

Viele Bauunternehmen haben seit langem Bestandsdokumentationen durchgeführt, indem sie während des Bauprozesses mit roten Linien Änderungen in den Zeichnungen eintragen. Sie ergänzen diese Vermerke bei Bedarf durch professionelle Vermessungen, um sicherzustellen, dass die Zeichnungen korrekt sind. Am Ende des Bauprozesses werden diese 2D-Zeichnungen in der Regel an die Architektin weitergegeben, welche die Bestandszeichnungen fertigstellt und schließlich an den Kunden übergibt.

Dieser Prozess ist sehr mühsam und kompliziert, da Bauvorhaben komplex und die Auftragnehmer oftmals bereits mit der Koordinierung der Bauphase völlig ausgelastet sind. So passiert es nicht selten, dass eine ordentliche Bestandsdokumentation dabei auf der Strecke bleibt. Änderungen können nicht notiert werden, oder sie werden nicht detailliert und genau genug eingetragen, um die Projektanforderungen zu erfüllen.

Hier kommen die LSPs ins Spiel: Mit Hilfe von 3D-Scantechnologien können sie umfassende, genaue und detaillierte 3D-Daten und hochauflösende Bilder erfassen. Auf diese Weise kann der Zustand des Gebäudes nach dem Bau genaustens dokumentiert und ein umfassender, genauer und leicht verständlicher Datensatz erstellt werden.

Was sind die gängigsten As-Built-Ergebnisse?

Weltweit ist die gängigste Form der Bestandsdokumentation der zweidimensionale CAD-Grundriss.

Allerdings scheinbar nicht mehr lange, da immer mehr Unternehmen für AEC-Projekte auf BIM-Methoden umsteigen, die auf intelligenten 3D-Modellen und gemeinsamen Datenumgebungen beruhen, anstatt auf einzelnen Zeichnungen. Staatliche Auflagen werden diesen Wandel nur weiter beschleunigen, wodurch auch die Nachfrage nach qualifizierten LSPs für die Erstellung solcher 3D-Dokumentationen steigen wird.

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Was ist der Unterschied zwischen einer CAD-Zeichnung und einem BIM-Modell für die Bestandsdokumentation?

Mit CAD (Computer Aided Design) können Benutzer und Benutzerinnen technische Zeichnungen erstellen. Eine CAD-Bestandsdatei, z. B. ein Grundriss, stellt dabei die genauen Abmessungen in Form einer Linienzeichnung dar. Diese Form der Darstellung bietet jedoch darüber hinaus keine zusätzlichen Informationen über die Beziehungen zwischen den Linien oder über die Objekte, die sie darstellen.

Ein BIM-Modell hingegen besteht aus virtuellen Objekten, welche konkrete Gebäudeelemente darstellen. Darüber hinaus verbindet ein solches Modell diese Elemente mit einer Datenbank, die einschlägige funktionale Informationen enthält. Bei der Ansicht eines BIM-Modells kann mit nur einem einzigen Klick ein Gebäudeelement ausgewählt werden (z. B. eine Kanalleitung), woraufhin eine Vielzahl von Informationen wie Modellnummer, Installationsdatum, das System, an das diese angeschlossen ist, sowie alle relevanten anderen Daten angezeigt werden.

Kurz gesagt: Ein BIM-Modell für die Bestandsdokumentation enthält wesentlich mehr Daten über das Gebäude, was wiederum bedeutet, dass es für eine Vielzahl von Projektbeteiligten einen größeren Wert bieten kann. Weitere Informationen über BIM-Modelle und welchen Mehrwert diese für Ihre Kunden bringen können, finden Sie unseren Leitfaden zum Thema Scan-to-BIM.

Wie erstellt man also einen solchen Bestandsplan?

Weitere Informationen über die Verwendung von mobiler Mappingtechnologie für die Erstellung von 2D-Zeichnungen und Bestandsdokumentationen in CAD finden Sie in unserem NavVis-Leitfaden.

Und wenn Ihr Kunde Interesse an 3D-BIM-Modellen für die Erfassung seines Gebäudes äußerst: Hier finden Sie unseren ausführlichen Leitfaden für Scan-to-BIM-Workflows. Dieser enthält wichtige Informationen zu den Themen Projektplanung, Genauigkeitsanforderungen, Auswahl der richtigen Tools, Kundenkommunikation, Modellierung und Auslieferung der Ergebnisse.

Sean Higgins ist ein selbstständiger Technikjournalist, ehemaliger Redakteur einer Fachzeitschrift und Naturliebhaber. Er ist der Meinung, dass 3D-Technologien klar und verständlich erklärt und besprochen werden sollten.