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Sean Higgins Di, Jan 11, '22 4 min read

Zwei Branchenexperten über die Zukunft mobiler Mappingtechnologien

Die Branchenexperten Matthew Craig und John Russo über mobiles Mapping im Jahr 2022 und die Zukunft dieser Technologien.

Mobile Mappingtechnologien haben in den letzten zehn Jahre enorme Fortschritte gemacht. Die mobilen Scanner von heute sind um ein Vielfaches schneller, erfassen Daten in viel höherer Qualität und kosten deutlich weniger als frühere Modelle.

Es hat sich viel verändert - und genau deshalb haben wir vor kurzem die erste branchenweite Umfrage zum Thema „mobile mapping“durchgeführt. Dafür haben wir uns mit führenden Fachzeitschriften zusammengetan und Experten und Expertinnen für Laserscanning auf der ganzen Welt befragt, um herauszufinden, wie die Branche wirklich über diese neue Technologie denkt.

Die Umfrage konnte eine Vielzahl interessanter Erkenntnisse liefern, etwas fehlte dennoch: detaillierte Einschätzungen und Einblicke von den angesehensten Vordenkern unserer Branche. Daher haben wir in unserem jüngsten Webinar The Great Mobile Mapping Debate: Things have changed zwei Branchenexperten mit über 25 Jahren Erfahrungen eingeladen, ihre Gedanken, Beobachtungen, und Tipps bezüglich mobile mapping zu teilen.

Für alle, die leider nicht teilnehmen konnten, folgt hier nun eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. Bei den Branchenexperten handelte es sich zum einen um Matthew Craig, Inhaber und Präsident von Visual Precision Solutions, und zum anderen um John Russo, Präsident und CEO von Architectural Resources Consultants (ARC) und Präsident des US Institute of Building Documentation.

Erkenntnis Nr. 1: Genauigkeit ist nicht mehr das wichtigste Kriterium

Beim Kauf eines terrestrischen Scanners prüft man in der Regel zuerst die Sensorgenauigkeit und erst danach andere Kennzahlen und Eigenschaften. Wenn Sie jedoch in ein mobiles Mappingsystem mobiles Kartierungssystem investieren wollen, müssen Sie umdenken:

„Für mich persönlich“, so Russo, „ist die Qualität der Daten das Wichtigste. Also, kann man den Inhalt der Daten klar erkennen und können sie für den vorgesehenen Zweck verwendet werden? Wenn ich in den Daten nicht erkennen kann, was ich sehen muss, hat das keinen Sinn. An zweiter Stelle steht die Genauigkeit. Schließlich möchte ich wissen, wie genau die Daten sind, um zu wissen, ob ich mich zu diesem Zeitpunkt auf sie verlassen kann. Und dann zählt natürlich auch, wie lange die Datenerfassung, die Verarbeitung der Daten und die sich daraus ergebenden Workflows dauern.“

„Aber all das wäre ohnehin zweitrangig“, sagt er, „wenn die Qualität der Daten nicht stimmt.“

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Erkenntnis Nr. 2: Es braucht ein Umdenken bei der Kostenanalyse

Wer auf mobile Mappingsysteme setzt, müsse auch in Bezug auf Kosten umdenken, so Matt Craig weiter.

„Man muss auf dem Schirm haben, dass es neben den Hardware- und Softwarekosten noch andere Kosten gibt“, sagt er. Man müsse berücksichtigen, dass man neben Geld auch Zeit investieren müsse für die Umstellung der Arbeitsprozesse oder das Training der Kunden. Auch müsse man sich grundlegende Fragen stellen, wie z. B. Hilft mir diese Technologie dabei, schneller zu arbeiten? Lassen sich so meine Gesamtkosten senken? Kann ich so meinen Kunden bessere Ergebnisse liefern? Hilft mir diese Technologie dabei, Projektarbeiten sicherer, also besser, schneller, billiger, sicherer auszuführen?

Auch weniger offensichtliche Kosten dürfe man nicht vergessen: „Gibt es beispielsweise Leute in Ihrem Team, die mit Veränderungen Probleme hätten?“, so Craig weiter. Das könnte zu zusätzliche Kosten führen. Allerdings könnte ein Mangel an Innovation ebenfalls teuer werden: Wer weiterhin auf traditionelle Methoden setzt, während die Konkurrenz dank neuer Technologien wie mobiler Mappingsysteme seine Produktivität erhöht, muss damit rechnen, den eigenen Wettbewerbsvorteil zu verlieren.

„Unternehmen, die sich im Wachstum befinden, haben immer ein Auge auf die neusten Trends ihrer Branche und nutzen die neuesten Technologien dann, um sich zu abzusetzen und weiter zu wachsen“, sagt er. „Wer sich stehen bleibt, fällt zurück.“

Erkenntnis Nr. 3: Mobile Mapping eröffnet völlig neue Möglichkeiten

Wer mobile Mappingtechnologien einsetzen will, muss auch bei der Auswahl der Tools und den Gesamtkosten weiter zuumdenken. Allerdings, so die Branchenexperten, würde dies Laserscanning-Profis auch ermöglichen, einmal über den Tellerrand hinaus zu blicken und neue Märkte für ihre 3D-Scandienstleistungen zu erschließen.

Dank mobiler Mappingsysteme, so Russo, habe sein Unternehmen ARC sogar Dienste anbieten können, die vorher unmöglich waren.

„Wir alle wollen wissen, wie es für uns in Zukunft weitergeht“, sagt er. „Ich glaube, dass mobile Mappingtechnologien in Zukunft eine enorm wichtige Rolle in unserer Branche spielen werden, besonders in Hinblick auf eine schnelle Datenerfassung. Ein großer Teil unserer Arbeit besteht in der Bereitstellung von Bestandsaufnahmen für Eigentümer. Asset Management ist zwar aktuell bei uns zwar noch nicht so stark vertreten, allerdings sehen wir, dass sich das langsam ändert, und dank mobiler Mappingsysteme können wir unseren Kunden diese Leistungen anbieten, da der gesamte Prozess so einfacher wird.“

Mobile Mappingtechnologien könnten zudem eine große Rolle bei der Entwicklung von Technologien wie digitalen Zwillingen, AR/VR und KI spielen, so Craig weiter. Das liege daran, dass diese Technologien die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen, aktuellen und relevanten 3D-Daten erhöhen werden - und diese ließen sich hervorragend mit mobilen Mappingsystemen erfassen.

„Mobiles Mapping öffnet die Türen zu neuen Märkten“, so Craig zum Abschluss. „Und das ist, was ich so spannend finde.“

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Fazit

Dies ist nur ein kurzer Überblick über einige der Erkenntnisse aus unserem jüngsten Webinar „The Great Mobile Mapping Debate: Things have changed“, das Sie hier, in voller Länge anschauen können.

Sean Higgins ist ein selbstständiger Technikjournalist, ehemaliger Redakteur einer Fachzeitschrift und Naturliebhaber. Er ist der Meinung, dass 3D-Technologien klar und verständlich erklärt und besprochen werden sollten.